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Physikalische und Rehabilitative Medizin (PRM)

Die PRM wurde 1992 auf dem Deutschen Ärztetag als unabhängiges medizinisches Fachgebiet in das deutsche Gesundheitssystem eingeführt und ist Teil der ambulanten kassenärztlichen Versorgung.


Wer kann einen Facharzt für PRM aufsuchen?

Jeder kann einen Facharzt für PRM aufsuchen. Zumeist überweist der Hausarzt den Patienten (genauso wie beispielsweise zu einem Orthopäden, Internisten, Augenarzt, Neurologen oder anderen Facharzt)


Was macht ein Facharzt für PRM, was ist sein Einsatzgebiet?

Der Facharzt für PRM ist ein Spezialist für alle Störungen des Bewegungsapparates, für akute und chronische Schmerzen sowie komplexe körperliche Probleme. Er setzt bei der Therapie auf einen breiten, interdisziplinären und interprofessionelle Ansatz, d.h. bei der Behandlung fließen neben orthopädischen auch Gesichtspunkte der Inneren Medizin, der Neurologie und der Psychosomatik mit ein.
Anders als andere medizinische Fachrichtungen ist die PRM eine sprechende medizinische Disziplin. Das heißt, das das Arzt-Patienten-Gespräch steht hierbei im Zentrum. Von zentraler Bedeutung ist die Kommunikation hinsichtlich der Patientenbeschwerden, ebenso wie die Vermittlung der Zusammenhänge zwischen dem geschildertem Beschwerdebild, der erforderlichen Diagnostik und dem möglichen Behandlungsweg.


Ganzheitliche Betrachtungsweise

Die Handlungsweise des PRM-Facharztes basiert auf einer ganzheitlichen Betrachtungsweise des vom Patienten berichteten Gesundheitsproblems. Hierbei orientiert er sich an den "Großen Fünf" des bio-psycho-sozialen Modells der Weltgesundheitsorganisation WHO. In Diagnose und Therapie werden berücksichtigt:

  • Körperstrukturen (anatomische Realität)
  • Körperfunktionen (z.B. Schmerz, Bewegungseinschränkungen)
  • Aktivitäten und Teilhabe an Lebensbereichen (z.B. Mobilität, Selbstversorgung, Stressbewältigung)
  • Umweltfaktoren (Vorhandensein von Unterstützungspersonen, Hilfsmitteln, Sozialen Diensten u.a.
  • personenbezogene Faktoren (Alter, Geschlecht, Erziehung, Bildung, ethnische Zugehörigkeit u.a.)


Ein Beispiel:

Konservative Behandlungswege am Beispiel der degenerativen Wirbelsäulen Störung
(Anm.: Eine degenerative Veränderung ist eine Veränderung eines Gewebes oder eines Organs durch Abnutzung, Verschleiß, Alterung oder lange einwirkende Schädigung.)

Die Behandlung und Beratung durch den Facharzt für PRM kann die folgenden Aspekte umfassen:

  • Fachärztliche Versorgung und Betreuung akuter und chronischer Erkrankungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten (konservativ orthopädisch, neurologisch, internistisch).
  • Indikationsstellung hinsichtlich rehabilitativer Verfahren (med. Reha-Maßnahme, Maßnahmen zur Teilhabe, Wiedereingliederung, Reha-Sport und -Funktionstraining u.a.)
  • Fachärztliche Unterstützung bei sozialmedizinischen Fragestellungen (Rentenbegehren, Erwerbsminderungsrente, Feststellung des Grades der Behinderung (GdB) u.a.)
  • Indikationsstellung zu kurortgebundenen medizinischen Vorsorge- oder Rehabilitationsleistungen (ambulante Badekuren, Kompaktkuren)
  • Gespräch über möglichen Zusammenhang zwischen Lebenskontext und beklagtem Schmerz
  • Verhaltensschulung hinsichtlich Haltung, Bewegung, Kräftigung, Dehnung
  • Gespräch hinsichtlich des Einflusses genetischer Faktoren, vegetativem Nervensystem, spezifischer chronobiologischer Persönlichkeitsmerkmale
  • Anwendung psychosomatischer Gesprächs- und Behandlungstechniken
  • Anwendung von Physiotherapie, Chirotherapie, Taping, Akupunktur im Einzelfall
  • Indikationsstellung und Anwendung ärztlicher Injektionen, Infusionen, Medikamente
  • Indikationsstellung zur Speziellen Schmerztherapie
  • Röntgen- oder CT-gesteuerte Interventionen wie Facetteninfilktrationen, - denervierungen, sakrale Überflutung u.a. bei z.B. Wurzelblockaden, Caudablockade
  • Eigentherapie nach Verhaltensschulung (z.B. auf Struktur- und Funktionsstörung bezogene Haltungsschulung)
  • Indikationsstellung und Anpassung von Hilfsmitteln (Stützorthesen, Einlagenversorgung)
  • Auswahl der adäquaten Physiotherapie-Heilmittel (Krankengymnastik, Massage, Manuelle Therapie, KG-Gerät, Übungsbehandlung, Heilmittelkombinationen, Wärme-Kältetherapie, Elektrostimulation, Elektrotherapie u.a.)
  • Auswahl der adäquaten Ergotherapie-Heilmittel
  • Indikationsstellung zur Osteopathie, Faszientherapie
  • Darlegung möglicher operativer Interventionen und Abwägung der Vor- und Nachteile dieser Verfahren

Für weitere Fragen oder Terminabsprachen wenden Sie sich gerne an uns!